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Donna vom Anna-Schacht

 Rufname:

Aica

kommt nach Hause

Im Spätjahr 1992 zog ich mit meinem damaligen Freund nach Böhl-Iggelheim in der Pfalz.

Seine Eltern hatten dort günstig ein Grundstück gekauft. Da es sich hierbei eigentlich nicht um erschlossenes Bauland, sondern um ein ehemaliges Wochenendgebiet handelte, gab es beim Bauen unendlich viele Auflagen. Letztendlich war es so, daß auf einem 18Ar großen Grundstück direkt am Wald ein eher winziges Häuschen stand.

Als wir zusammenkamen war der Bau bereits in der Endphase. Ich war Mitte zwanzig und noch unbekümmert, offen und frisch verliebt, deshalb hatte ich ziemlich rasch zugestimmt dort mit einzuziehen.

Meine Mutter war, aufgrund der Tatsache, daß es sich bei dem Haus doch noch mehr oder weniger um einen Rohbau handelte und ausgerechnet ich dort einzog ein bißchen geschockt. Na ja, ehrlich gesagt, konnte ich das schon verstehen, denn ich bin jemand dem ein schönes und möglichst perfektes Zuhause sehr wichtig ist. Hier war das noch keineswegs der Fall. Und es ging sehr stockend voran.

Kurz und gut, als wir einzogen war das Schlafzimmer im Keller zu einem Viertel tapeziert und der Schlafzimmerschrank war halb aufgebaut. Doch wir hatten ein Schlafzimmer mit Bett (vollstöndig aufgebaut), ein Bistrotischchen, zwei Stühle dazu und einen Mikrowellenherd. Was will man mehr?

Die Bäder waren noch nicht gefliest, aber immerhin hatten wir fließendes Wasser! Der eigentliche Wohn-Eßbereich im Erdgeschoß war tatsächlich ein Rohbau mit Fenstern und Türen.

Ich weiß auch nicht, ob sich jemand ein verwildertes 18 Ar großes Grundstück während eines nassen Dezembers vorstellen kann. Bevor der Garten im folgenden Sommer angelegt werden sollte sind wir morgens geschnickelt und geschnackelt oben herum und in Gummistiefeln unten herum, mit unseren Schuhen unter den Armen an unsere Autos "geschwommen". Regelmäßig drohten wir im Morast zu versinken.

Aber nach und nach wurde alles besser und schöner. Und wie wunderschön war da draußen der Frühling, wenn der Wald hinter dem Haus zu grünen anfing und mit jedem Tag mehr Leben in sich zu haben schien.

Natürlich gehört zu so einem Grundstück ein Hund. Wir liebten beide Hunde und ich bin mit Asta, unserer Boxerhündin aufgewachsen. Wer einmal in den Genuß treuer Hundefreundschaft kam, sehnt sich wohl immer wieder danach.

Bernie träumte von einem Rottweiler oder einem Dobermann. Für mich kam nie etwas anderes als ein Boxer in Frage. Einmal Boxer immer Boxer, oder nicht? Jeder anders und doch heben sie sich durch ihr Wesen so eigenartig von anderen Rassen ab. Aber ich wollte Bernie nicht zu einem Boxer überreden - ich wollte ihn überzeugen.

Im Mai war endgültig klar, daß ein Hund ins Haus kommt. Von da an war ich völlig besessen von dem Wunsch nach einem dunkelgestromten Boxermädchen. Deshalb hab' ich mich eines vormittags im Büro über das Telefon hergemacht und die Drähte glühten.

Zunächst habe ich beim Boxerklub in München angerufen, wo mir verschiedene Züchter in unserer näheren Umgebung genannt wurden. Ich weiß nicht mehr wie viele ich angerufen habe. Immer wieder hieß es: "Nein tut mir leid, wir haben in nächster Zeit keine Welpen. Aber rufen sie doch mal bei ..... an, ich glaub' die haben."

Nein sie hatten nicht - aber ans Aufgeben verschwendete ich nicht einen Gedanken. Ich wußte mein Boxermädchen ist da draußen schon irgendwo, ich muß sie jetzt nur finden. Ähhhm Internet war damals noch nicht in gewöhnlichen Büros und schon gar nicht in Privathaushalten. Das kam erst etwas später. Nur für den Fall, daß sich hier einer fragt, warum ich nicht einfach im Web nach Züchtern und Welpen gesucht habe *smile*!

Über, wer weiß wie viele, Umwege kam ich an eine Züchterin im Saarland. Und die war es!

 "Ja, ich habe Boxerwelpen." ...

" Ja, Gestromte." ...

"Ja eine Hündin hab' ich noch."

"Aber es handelt sich um einen Inzestwurf. Uns ist da ein kleines Mißgeschick passiert, als wir einen Rüden vom vorhergehenden Wurf in Pflege hatten. Somit ist die Mutter gleichzeitig die Großmutter. Natürlich sind die Welpen kerngesund und quietschfidel, aber nicht zur Weiterzucht geeignet."

Gott, wie schnuppe mir das war. Frau L. hat auch mich am Telefon ausgequetscht. Ob ich Boxer kenne und Erfahrung hätte und sie hat mir gleich mal erklärt, daß sie ihre Hunde nicht an jeden abgibt. Das das neue Zuhause genau überprüft würde und auch die Papiere, sprich das Eigentum, erst an den neuen Besitzer übergeben werden, wenn sie sich überzeugt hat, das alles Bestens ist.

Mir hat das nur noch mehr imponiert und ich gab zu verstehen, daß es vollkommen in Ordnung sei. Ich erklärte auch, daß mein Lebensgefährte noch vom Boxer zu überzeugen sei und ich ihn zunächst mit den älteren, ausgewachsenen Hunden vertraut machen wollte, wenn wir am kommenden Wochenende zu Besuch kommen würden. Das wiederum gefiel ihr gut, schien mir.

Ich war so aufgeregt, daß mein Freund gar nicht anders konnte - er wollte sich die Boxer ansehen. Na ja, er hatte wirklich keine Wahl, ich geb' es zu.

Endlich war es so weit. Wir fuhren vormittags los nach Neunkirchen/Wiebelskirchen - ab ins Saarland. Als wir bei L's. in dem kleinen Dorf ankamen und klingelten, war tiefes Bellen zu hören und gleich waren zwei große Boxer an der Tür. Frau L. machte uns auf und es gab kaum eine Chance den L's. "Guten Tag" zu sagen, denn die Hunde nahmen uns sofort in Beschlag. 

Eine freundliche und nicht enden wollende Begrüßung folgte.

Da war Angie, die Mutter der Welpen und Cheeva, eine wunderschön gezeichnete und freche Hündin von knapp einem Jahr, aus dem vorhergehenden Wurf.

Irgendwie sind wir ins Haus und obwohl sich die Meute kaum beruhigte tatsächlich auch bis ins Wohnzimmer gekommen. Dort war auch Stups, die fast 10 Jahre alte Oma. Sie hatte noch kupierte Ohren und ich finde das läßt die weichen Gesichtszüge der Samtschnauzen fürchterlich streng aussehen.  Ein Boxer mit Schlappöhrchen sieht doch um so viel freundlicher aus! Aber ausgerechnet die alte Stups, deren Schönheit für einen Fremden wirklich nicht mehr zu erkennen war, wich meinem  Freund nicht mehr von der Seite und es war so erleichternd zu sehen, wie er immer mehr dem Charme der alten Dame erlag.

Wir gingen in einen Raum im Keller, in dem die Welpen waren. Die Jungen waren nicht mehr ununterbrochen bei Mama Angie, denn sie hatte durch den nicht geplanten Wurf und das Säugen gelitten und sollte etwas geschont werden. Aber auch sie und die beiden anderen machten sich freudig erregt auf den Weg zu den Babys.

Doch diese Erregung war nichts im Vergleich zu meinem eigenen Nervenkostüm! Was für ein Anblick! Fünf Boxerwelpen, eines niedlicher, als das andere und ich war froh nicht wählen zu müssen. Doch die kleine Maus die noch nicht vergeben war, kam direkt auf mich zu, als wolle sie sagen: "Na, Du? Du kommst doch wegen mir, oder?"

Auf dem Gesicht von Frau L. machte sich ein Lächeln breit und ich fragte, ob sie es sei und sie nickte nur.

Wir gingen mit allen großen und kleinen Boxern in den Garten.

Frau L. erzählte uns von Leuten die bereits wegen der Welpen da waren und an die sie keines der Kleinen geben wollte. Ein älteres Ehepaar, die für Frau L.'s Empfinden mit beinahe 70 Lenzen zu alt für ein solches Temperamentsbündel waren. Na, ist ja was dran.

Zwei Herren aus dem ältesten Gewerbe, die ihren Bullterrier-Rüden dabei hatten und auf die Frage, wie sie sich das vorstellten mit einem weiteren jüngeren Rüden, zur Antwort gaben, es würde sich dann ja irgendwann herausstellen wer der Stärkere sei. Ohne Worte!

Das kleine schwarze Knäuel mit dem weißen Stirn-Nasenstrich auf dem Arm, blickte ich sie ängstlich an "Aber ich kann sie doch haben, oder?" Sie nickte lächelnd und deutete auf das Boxerbaby und sagte: "Ich bin überzeugt, daß sich der Hund den Herrn aussucht und das hat sie bereits im Keller getan."

Welch' ein Glücksgefühl! Ich wollte mein Herzchen gar nicht mehr loslassen. Ich habe über's ganze Gesicht gestrahlt und mein Freund hat mir ebenfalls mit einem Nicken zu verstehen gegeben, daß er einverstanden war. Hmmh, selbst wenn, wer konnte dem süßen Boxerle, denn widerstehen? 

Wir haben noch eine Weile mit den Hunden gespielt und viele Fotos gemacht. Als es Zeit war sich auf den Heimweg zu machen, bat ich Frau L. darum, eine Decke, die ich vorsorglich mitgebracht hatte, bei den Welpen lassen zu dürfen, damit die kleine Aica den Geruch ihrer Familie mitnehmen kann, wenn wir sie in 4 Wochen endlich nach Hause holen dürften. Sie war natürlich einverstanden und sehr angetan davon.

Es folgten die längsten vier Wochen meines Lebens. Fünf Wochen "Erziehungsurlaub" waren eingereicht und genehmigt Ich fieberte dem Tag entgegen an dem ich mein Boxerbaby endlich wiedersehen und mit nach Hause nehmen konnte. Meine Eltern und meine Schwester freuten sich genauso auf den Familienzuwachs.

Euphorisch bereitete ich alles vor. Wir kauften Hundekörbchen, Halsband, Leine, Spielsachen, Futter und alles was die kleine Prinzessin brauchen würde. Klar war auch, daß sie zumindest für die ersten Monate, wenn mein Erziehungsurlaub zu Ende war, den Tag über zu meiner Mutter gebracht werden würde. So ein kleines Würmchen kann ja schlecht alleine bleiben.

Für manchen klingt es vielleicht abwegig, doch auch die Möglichkeit einer Trennung von meinem Freund habe ich damals schon weit im Hinterköpfchen in Betracht gezogen und was dann sein würde. Für mich war es Planung bis ins Detail, denn ich wollte auf alles Mögliche und Unmögliche vorbereitet sein und so ein Hundeleben dauert schließlich Jahre. Meine Mutter habe ich diese Gedanken anvertraut und sie verstand und es stand außer Frage für sie, das Aica auch dann, sollte es dazu kommen, tagsüber versorgt wäre, wenn ich arbeiten mußte.

09. Juni 1993:

Wieder fahren wir nach Wiebelskirchen. Dieses Mal um unser Boxerle endlich nach Hause zu holen. Meine Eltern wurden ja jetzt quasi Boxer-Großltern und ließen es sich nicht nehmen mitzukommen.

Die Freude war auf allen Seiten riesig. Meine Kleine kam wieder direkt auf mich zu und wir begrüßten uns zärtlich. Ich war seelig! Wir tranken Kaffee, schmusten mit den großen und kleinen Boxern. Als wir uns auf die Heimreise machten, kam Aica ohne zu zögern mit uns und stieg sofort ins Auto ein.

Nach einer langen Fahrt endlich im neuen Zuhause angekommen, lief sie ins Haus, schnuffelte erst mal alles ab und nahm gleich in ihrem Körbchen Platz. So als wolle sie sagen: "Alles prima, hier gefällt's mir, hier bleib' ich gern."

In ihr Schlafkörbchen legte ich die Decke, mit dem Geruch der Mutter und den anderen Welpen, sowie einen alten Wecker. Das Ticken sollte die Herzschläge der Geschwisterwelpen ersetzen. Irgendwo hatte ich das mal gehört und bei unserer Asta hatte das damals auch Wirkung gezeigt.

Gegen gegen halb vier früh morgens fing sie an zu heulen. Ich schreckte auf und dachte: "Verdammt, sie hat Heimweh". Doch weit gefehlt! Das Mäuschen mußte Gassi. Ich bin mit ihr raus, sie hat sich gesetzt, kam gleich wieder angetrabt und wollte zurück in ihr Bettchen. Ich war total verblüfft. Das knapp neun Wochen alte Welpen war bereits stubenrein. Frau L. hatte mir zwar schon angedeutet, daß sie selbst die Welpen früh daran gewöhnt, aber ich wollte es nicht glauben.

.....Fortsetzung folgt:  

 

 

 

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